5: Strategische Außenkommunikation

Für Social Media, Presse

Politische Narrative

  • Es sollte eine Abfolge von Ereignissen, mit Charakteren, Kausalitäten und Konflikt sein. Die aufeinanderfolgenden Ereignisse in der Erzählung sollten verbunden sein durch “deswegen” (Kausalität) oder “aber” (Konflikt). 
  • Ein Narrativ ist kein Slogan. “X ist gut/schlecht” ist kein Narrativ – weil es keine chronologische Erzählung enthält. Ebenso “wir fordern X”.

Radikale Ziele erreichen, nicht radikal klingen

Das Overton-Fenster (das, was von den meisten Menschen für “normal” und “gesellschaftlicher Konsens” gehalten wird) bestimmt, welche Forderungen realistisch und gesellschaftlich akzeptiert klingen. Man verschiebt das, indem man mutige Forderungen als populäre Forderungen formuliert; indem man seine Werte und seine Agenda als gesunden Menschenverstand formuliert. Die eigenen Forderungen bleiben dabei so radikal, wie sie sein müssen – wie es das Problem erfordert.*

Uns sollte nicht primär beschäftigen, zu signalisieren, dass wir politisch bewusst und “auf der richtigen Seite” sind – erfolgsversprechender ist es, wenn wir mehr Menschen an Bord helfen. Recht zu haben bringt nichts, wenn du keine Macht hast. Wie wir klingen, kann potenzielle Verbündete zu Gegner*innen machen und unserem Erfolg im Weg stehen.

Um eine populäre politische Bewegung zu organisieren, muss man Menschen dort begegnen, wo sie sind, in den Räumen, in denen sie sich aufhalten, in einer für sie vertrauten Sprache. Clubhäuser hingegen erfordern, dass die Menschen ein spezielles Vokabular lernen und sich in eine Subkultur einfügen, um beitreten zu können. Was wollen wir aufbauen?

Beispiel:
Seit 2000 wird diskutiert, ob der Flughafen Heathrow eine dritte Start- und Landebahn bekommen soll. Neben anfänglichem Rückenwind aus der Politik entstanden auch schnell Proteste. Erste wurde die Landebahn von lokalen Anwohner*innen problematisiert, die eine Gefahr für Infrastruktur und Belästigung durch Lärm sahen. 


Erfolgreich wurden diese allerdings erst, als sich verschiedene Themen unter dem “Nein zur dritten Start- und Landebahn” vereinten. So wurde das Problem von einem “Not in my back-yard”-Problem zu einem Thema von globalem Interesse.

Was können wir daraus lernen:
Wir sind stärken zusammen, wenn wir viele verschiedene Gruppierungen unter einem gemeinsamen “Nein” vereinen. So verschieben und schaffen wir Mehrheiten außerhalb des Overton-Windows und suggerieren Probleme als “das ist doch gesunder Menschenverstand!”.

Richtig über Klimakrise und COVID-19 kommunizieren

Im Kommunikationsbriefing Corona und das Klima findest du FFF-Kommunikationstipps für alle Situationen, in denen jemand über „Corona vs. Klima“ sprechen muss – für Kommentare online, Presseanfragen, Vorträge, Abgeordnetengespräche, Interaktionen mit Außenstehenden und potenziellen OG-Mitgliedern.



Strategische Polarisierung

Die Frage ist nicht, ob man polarisiert oder nicht, sondern wie man strategisch polarisiert. Politische Herausforderer wie wir sollten strategisch entlang einer Macht-Achse „unten gegen oben“ polarisieren, die unsere Menschen als mehrheitlich, unsere Agenda als gesunden Menschenverstand und unsere Gegner als gierige Eliten an der Spitze darstellt. Gegenspieler polarisieren bewusst so, dass die Trennung “normale Mehrheit vs. Klimaschützer” lautet.

Beispiele für unstrategische Polarisierung:

– Demokraten vs. Republikaner

– Demonstranten vs. Polizei

– rechtschaffene Aktivisten vs. rückständige Mehrheit

– Landwirte vs. Klimaschützer*innen

Beispiele für strategische Polarisierung:

– die 99% vs. 1%

– alltägliche arbeitende Menschen gegen abgehobene Eliten

– wenige Großkonzerne vs die Mehrheit, inkl. Bauern

Die Aussage „Die herrschenden Menschen – geeint – werden niemals besiegt werden“ ist wahrscheinlich wahrer als „Gemeinsam werden Bürger*innen niemals besiegt werden.“ Die Spaltung der Eliten ist genauso wichtig für unseren Erfolg wie das Zusammenhalten der Bewegungsbasis.

Die Ablehnung von verallgemeinernden Erzählungen und Polarisierungen wird uns nicht davor schützen, in die deines Gegners hineingeschrieben zu werden. “Wenn FFF gewinnt, bedroht das eure Arbeitsplätze und den Wohlstand” und “FFF gefährdet den demokratischen Zusammenhalt”, oder auch “Flughafen-Baustopps sind ein Erfolg für Klimaschützer*innen, nicht für den Rest” sind ihre strategischen Polarisierungen: Die Mehrheit vs. FFF.

 

Wer es sagt, ist oft wichtiger als wie gut man es sagt” 

FFF gewinnt an Macht für seine Sache, wenn es Menschen aus bestimmten gesellschaftlichen Umfeldern als Unterstützer*innen der Klimabewegung gewinnt und zu Aktiven macht. Diese Menschen entziehen dann den Politikern ihre Unterstützung, bis die Politiker im Einklang mit den Werten und Forderungen der Bewegung handeln.

Deshalb sollten z.B. Presseanfragen an diejenige Gruppe in FFF weitergeleitet werden, die aufgrund ihrer Herkunft/Reputation am ehesten die Unterstützung des gewinnbaren Publikums der Publikation gewinnen kann, die sich an FFF gewandt hat.

Wer eine Gelegenheit für Außenkommunikation hat (z.B. Social Media-Arbeit, Presseanfragen und die Art und Weise, wie sie beantwortet werden, wie Interviews gegeben werden usw.) kann fragen, welche OGs oder AGs innerhalb der Bewegung Verbindungen einer bestimmten Art haben: Verbindungen zu Meinungsführer*innen von Gruppen, deren Support man nicht erwarten würde – Landwirt*innen, Ökonom*innen, alte Menschen, Konservative, Kohlearbeiter*innen Geschäftsleute.

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