Wie Deine Ortsgruppe wächst, Neue onboardet, Mitglieder hält, Teamkultur pflegt, Projekte startet und Durchzieht.

Das Leben der OG

Sind wir doch mal ehrlich: in vielen OGs wird sehr viel Arbeit von sehr wenigen Menschen erledigt. Das führt zu Überbelastung und am Ende zu einer inaktiven Ortsgruppe. In diesem Dokument findest Du viele Tipps und Tricks, mit denen Du Deiner Ortsgruppe neue Stärke verleihen kannst.

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OG-Mitglieder gewinnen

Mitglieder anwerben: Wachsen an den äußeren Rändern eurer Gruppe

In diesem Dokument wird es viele Tipps und Tricks geben, bei denen Du Dir denkst, “wie soll ich das alles machen?”. In Ortsgruppen gibt es oft Personen, die im Kern der Gruppe stehen. Vielleicht bist Du eine von ihnen: sie sind viel beschäftigt, können vielleicht gerade so die wichtigsten Aufgaben einer Ortsgruppe erledigen. Außerdem haben diese Personen kaum noch Bekannte oder Freunde, die potenziell in Frage kämen, sich der Gruppe anzuschließen. 

Daher ist es wichtig, dass Deine Gruppe an ihren Rändern wächst:

  • Aktivist*innen, die gerade erst mit an Bord sind, haben in der Regel mehr Menschen um sich herum, die noch nicht Teil der Bewegung sind, aber – wie die Person selbst – vielleicht schon drüber nachgedacht haben. 
  • Das heißt: diese Menschen müssen befähigt werden, neue Aktivist*innen zu mobilisieren.
  • Bewirb das Aktivwerden mit der Aussicht auf greifbare Erfolge (“Klimaentscheid in unserer Stadt, sichere Fahrradwege und Verkehrsberuhigung”), lieber nicht mit der Chance auf Wichtigsein, denn das lädt oft problematisches Verhalten ein.
    Zitat aus Rules for Revolutionaries: “Frage nicht, wer wichtig sein will, frage lieber, wer arbeiten will” (und mit dem Einsatz ein konkretes Ziel erreichen, das Du benennst.)

Das heißt, wenn ihr gerade zu wenige Menschen seid, um eine ausgeglichene Aufgabenteilung zu erreichen und effektiv zu arbeiten, tut folgendes:

  • Wenn ihr einen spezifischen Bedarf habt, was muss passieren? 
    1. Bedarf identifizieren (Brauchen wir gerade Unterstützung? Wenn ja, wo? Was sollte die Person mitbringen – wie viel Zeit, welche Skills, Netzwerke?)
    2. Bedarf intern kommunizieren (Kennt jemand aus dem Team wen? Gibt es in der Bewegung vielleicht schon jemanden, die*der für die Rolle geeignet wäre? Können wir den Bedarf auch decken, wenn wir uns besser aufteilen bzw. besser organisieren?)
    3. Bedarf decken und Einarbeitung organisieren (Wir brauchen eine neue Person? Wer ist zuständig dafür, sich darum zu kümmern? Wie wird diese neue Person eingearbeitet (s.u. ⬇ Onboarding, Einarbeitung, Integrierung)? Was bekommt die Person direkt Sinnvolles zu tun? Wer ist die erfahrenere Ansprechperson für die neue Person?)

Eine breitere Gruppe an Menschen hat mehr Möglichkeiten, besonders wichtig sind Menschen an den äußeren Rändern, ein Zitat der Fridays for Future AG “Abgeordnetengespräche” dazu:

Rückmeldung der AG Abgeordnetengespräche: “Recruiting über die Ränder klappt wirklich sehr toll, wie es auch die Swarmwise-Trainingsreihe beibringt. Das ist sehr wichtig.” Die AG stieg von 15-20 auf 25-30 Aktive.

Beispiel aus der Ortsgruppe Göttingen
Der Corona-Lockdown hat viele Ortsgruppen in ihrer Arbeit behindert. Viele hörten auf – sahen den Sinn von Aktionen während eines Lockdowns nicht mehr.

Die Ortsgruppe Göttingen hat die Chance genutzt, um ein Einsteiger*innenplenum zu planen. Die Herausforderung war, ein aktives Onlineplenum zu gestalten, das nicht langweilig und langatmig ist.

Durch eine strukturierte Agenda konnte sie vielen Neulingen die Bewegung nahe bringen und sie in das Orgateam integrieren. 

Dabei waren zwei Dinge wichtig:

Ein geregeltes Offboarding von inaktiven Mitglieder*innen und ein Onboarding von neuen Mitglieder*innen. Alte Mitglieder wurden entweder reaktiviert oder gebeten, ihre Aufgaben abzugeben. Neuen Mitgliedern wurden diese Aufgaben dann überreicht. So fühlen sich Neuankömmlinge wertgeschätzt und werden direkt integriert.

Angeworben wurde durch einen Meeting-Link über Instagram und über Mobi-Gruppen der Ortsgruppe. So wurden viele Menschen eingeladen, die noch nicht Teil der Organisation waren, aber ein Grundinteresse an den Werten der Bewegung haben.

Taktiken, mit denen Du neue Mitglieder finden kannst

Sei kreativ, wenn es darum geht, Deine Gruppe und die Möglichkeiten zur Teilnahme bekannt zu machen. Du solltest Dir überlegen, was in Deinem Umfeld, das Du anziehen möchtest, am besten funktioniert. Hier sind einige Optionen, die Du in Betracht ziehen kannst:

 

  • Mit einem Stand, Flyern oder einer anderen Art von Präsenz bei Veranstaltungen.
  • Nutze die Social-Media-Kanäle Deiner Gruppe, um über Möglichkeiten zur Teilnahme zu sprechen. Achte darauf, dass Du Hashtags verwendest, die in dem Umfeld, dass Du anziehen möchtest, beliebt sind.
  • Auslegen von Flyern an Gemeindezentren und auf dem Universitätsgelände.
  • Mitgliederwerbung in Interviews mit lokalen Medien.
  • Reden zur Mitgliederwerbung bei Treffen oder Veranstaltungen für gleichgesinnte Gruppen.
  • Onboarding-Cafés: Gemeindekalender und lokale Websiten nutzen, um Anwerbeevents zu veranstalten, für alle, die Interesse haben, mitzumachen.

 

Am wichtigsten ist, dass die derzeitigen Mitglieder Deiner Gruppe die Botschafter*innen Deiner Gruppe sind. Hier sind einige Vorschläge, die sie tun können:

 

  • Bring-a-buddy-Treffen: Ermutigt jemanden, eine*n Freund*in zu euren regelmäßigen Treffen mitzubringen
  • Gemeinsame Nutzung von sozialen Netzwerken: Bitte jede*n, eine Werbebotschaft auf persönlichen Kanälen zu veröffentlichen.

Onboarding, Einarbeitung, Integrierung

Menschen ausführlich kennenlernen, bevor sie anfangen, sich zu beteiligen. → Leitfaden Kennenlerngespräch aus der AG Abgeordnetengespräche

Führe möglichst immer ein Einzel-Kennenlerngespräch 

Wenn jemand sagt, dass sie*er daran interessiert ist, mehr zu erfahren oder sich in Deiner Gruppe zu engagieren, lade sie*ihn nicht einfach zu Deinem nächsten Treffen ein und belasse es dabei. 

Um die Bindung Deiner neuen Mitglieder zu erhöhen, solltest Du persönliche Gespräche mit den neuen Mitgliedern führen, bevor sie zu einem Gruppentreffen kommen. Lerne die Person kennen. Finde heraus, 

  1. was sie zur Gruppe hingezogen hat,
  2. welche Aufgaben ihnen Spaß machen oder was sie gut können
  3. wie viel Zeit sie haben. 

Dann erzähle ihnen mehr über die Gruppe und bespreche, wie ihre Beteiligung aussehen könnte. 

Diese Art der Einarbeitung erfordert zwar im Vorfeld mehr Zeit, spart aber auf lange Sicht Zeit: Die Leute sind schneller bei der Sache und bleiben länger dabei. Es kann sinnvoll sein, dass ein oder zwei Mitglieder Deiner Gruppe diese Onboarder*innen-Verantwortung als Daueraufgabe übernehmen. 

📕 Mehr dazu: Beautiful Trouble: Make new folks welcome 

Kapazitäten einschätzen: Bekomme ein Gefühl dafür, 1. wie Menschen eigentlich arbeiten wollen (eher autonom für sich, oder viel in direkter Interaktion?) und 2. wie viel Zeit sie wirklich zur Verfügung haben.

Schaffe direkt Gelegenheiten, Neue zu loben und einzubeziehen

  1. Sofort sinnvolle Aufgabe geben: Menschen brauchen ganz dringend von Anfang an eine konkrete Aufgabe, wenn sie erstmal ongeboardet sind. Wenn Onboarding ein bisschen länger dauert, sind Menschen da sehr nachsichtig. Aber wenn sie im Team sind und sich nicht gebraucht fühlen, verschwinden sie.

     

  2. Gib ihnen früh und persönlich Wertschätzung: Du musst ihnen das Gefühl geben, dass sie geschätzt werden. Menschen sind gerne mit Menschen zusammen, die sie gut behandeln. Wir alle haben viele alternative Aktivitäten zur Verfügung.
    📕 Mehr dazu: → 3 Tipps siehe ”The One Minute Manager” Summary

     

  3. Nutze ihren frischen Blick für Feedback: Nimm Dir Zeit, um dich mit ihnen außerhalb der Meetings zu treffen. Frage sie oft nach ihrer Meinung: Was denken sie über das Treffen, die Veranstaltung, die Aktion? Sie können die Dinge mit neuen Augen sehen. Lasse Deine Ideen an ihnen abprallen und frage sie nach ihrem Feedback.

Aktivismus-Pausen und Zurückkommen einfach machen

Zitat AG Abgeordnetengespräche: “Wir haben einige Menschen, die immer wieder gehen und zurückkommen, weil sie genau wissen, dass wir nicht böse über Pausen sind. Ich hab da mal die schöne RückmelDung von einem Mitglied bekommen, dass sie sonst wahrscheinlich längst raus wäre 😊”

Teambuilding

Wer sich nicht kennt und mag, kann nicht gut aneinander delegieren und kommunizieren.

📕 Das Teambuilding-Konzept: Nur wenn sich alle im Team besser kennenlernen und mögen, kann man gut zusammenarbeiten. Aus der AG Abgeordnetengespräche haben Josi, Justus, und Vegard die besten Tipps und Methoden zusammengefasst (Vorschläge per Kommentar willkommen!): Rezept für gutes Teambuilding

📕 Bessere Online-Meetings 1 – Moderation: Gut moderierte Tks gehen schneller und und erreichen mehr. Für alle, die bei der AG Abgeordnetengespräche nachgefragt haben, hier die grundlegenden Moderationstipps und -techniken in einem Doc gesammelt (Vorschläge per Kommentar willkommen!): Bessere Online-Meetings 1 – Moderationsneulinge

📕 Bessere Online-Meetings 2 – Moderationsprofi: Wenn man grundsätzlich gut moderiert, es aber trotzdem besser laufen könnte, hilft diese Liste an Lösungswegen und Tools für spezifische TK-Probleme, mit Grüßen von der AG Abgeordnetengespräche (Vorschläge per Kommentar willkommen!): Bessere Online-Meetings 2 – Moderationsprofis

Wie Deine OG starke interne Strukturen aufbauen kann, die etwas bewegen

Der Schlüssel zu Bewegung ist eine Mitglieder*innenbasis zu organisieren, die auch aus nicht-klimaaktivistischen Sozialumfeldern besteht. Denn nur so kann sie ihre politische Macht ausbauen und nicht nur ihre bereits Vorhandene nutzen.

Doch was macht FFF falsch? Link fehlt. Mit “Mobilisierung” ist gemeint, viele Personen zu politischen Handlungen zu bewegen. Das erreicht meistens nur eine “self-selecting population”, wie öko-linke Milieus. Es gibt keinen Outreach außerhalb dieser bereits ongeboardeten Umfelder. 

Hingegen schafft man durch Organizing eine politisch mächtige Gruppe, die befähigt ist, Großes zu bewegen.

Stell Dir vor:
Mobilisieren bedeutet, bereits beteiligte Menschen dazu zu motivieren, Deine Petition zu unterschreiben. Was würde passieren, wenn wir sie stattdessen dazu ausbilden, ihre eigene zu starten?

Um die Strukturen der Klimabewegung zu stärken, haben wir zwei Versionen eines Organizing-Trainings entwickelt:

Einerseits eine detaillierte Trainingsreihe, die Organizer ausbildet. Diese Reihe ist besonders an verantwortungstragende Personen gerichtet, wie AG-Sprechende oder Regiobuddies.

Alternativ gibt es auch eine schnelleres Massentraining mit dem Ziel, dass Teilnehmende ihr Umfeld überzeugend zur Klimawahl zu motivieren können. Dieses ist eher an die breite Masse gerichtet.

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