Awareness Leitfaden

Awareness-Leitfaden für Ortsgruppen der Awareness-AG

Im Folgenden findet ihr den neuen Awareness-Leitfaden der Awareness AG, der Ortsgruppen dabei unterstützen soll, ein Awareness Team zu gründen und die Arbeit in den OGs awarer zu machen.

Bei Fragen könnt ihr euch immer an euren eigenen OG-Buddy wenden, der euch helfen wird, ein Awareness Team zu gründen. Bei speziellen Fragen zum Leitfaden könnt ihr euch immer und gerne an die Awareness AG (E-Mail: Awareness@fridaysforfuture.is ) wenden.

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Gliederung

Randnummern:

  1. Einleitung – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 

2. Aufgaben der Awareness – – – – – – – – – – – – – – – – –  – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

3. Struktur zur Gründung eines OG-Awareness-Teams – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 

4. Passives vs. aktives Awareness-Konzept – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 

5. Awareness-Leitfaden  – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 

6. Wichtige Nummern und Kontakte die ihr haben solltet. – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

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1. Einleitung

1.1. Was bedeutet Awareness?

Unter Awareness verstehen wir ein machtkritisches Bewusstsein für die eigene Position. Unsere gesellschaftliche Position wird von strukturellen Machtverhältnissen mitbestimmt. In sozialen Gefügen wirkt sich das auf die Teilnehmenden aus. Menschen, die gesellschaftlich privilegiert sind, haben es häufig(!) leichter; andere, die öfter Diskriminierung erleben, haben es häufig(!) schwerer. Die unterschiedliche Positioniertheit muss sichtbar gemacht werden, wenn eine Veranstaltung möglichst angenehm für alle Beteiligten ablaufen soll.

Awareness versucht, das Bewusstsein für Ungleichheiten zu schaffen/zu schärfen und produktiv mit damit umzugehen. Awareness-Arbeit hat also das Ziel, mit allen Beteiligten diskriminierungsfreie(er) soziale Räume herzustellen.“

– Quelle: awareness.blogsport.eu

1.2 Was bedeutet Awareness im Kontext von FfF?

Unter Awareness im Bezug auf FfF verstehen wir als Awareness-AG folgende Punkte:

    • Konfliktlösung;
    • Deeskalation;
    • Beratung (wir ersetzen niemals einen Psychologen);
    • angenehmere Gestaltung der Orga-Athmospäre für einen produktiveren und nachhaltigeren Aktivismus;
    • Prävention (Bekämpfung/Verhinderung) von Diskriminierung; physischer und psychischer Gewalt, Burnout, Überforderung
    •  Bewusstsein gegenüber anderen Aktivist*innen; Bereitstellung eines Savespace während einer Demo oder Plena; „Seelsorge“ (offenes Ohr); etc.
    • Helfen /Redeangebot/Zuhören /Trost spenden;
    • Benennung von Strukturen die diskrimierend sind;
      • ggf. Arbeit mit StruPa/Ausarbeitung von Verhaltensregeln.
    • Auf sich selbst achten (Selfawareness/Selfcare).

1.3 Warum Awareness wichtig ist

Awareness-Arbeit findet Anwendung in allen möglichen Lebensbereichen, unter anderem auf Partys, bei Demos, bei Kongressen oder in den Strukturen von Gruppen, aber auch im Alltag, kurzum: In allen sozialen Räumen genauso wie im Privaten (Selfawareness/Selfcare). (Überarbeitung)

Auch innerhalb der Ortsgruppen ist Awareness wichtig, denn hier machen sich häufig nicht nur strukturelle Machtverhältnisse bemerkbar, sondern es entstehen auch persönliche Konflikte und Stress, was zu Überlastung und z. B. psychischen Problemen führen kann.  Um möglichst allen Menschen eine angenehme politische Arbeit zu ermöglichen, ist es also wichtig, Awareness zu etablieren, denn Fridays for Future ist für viele Menschen die erste politische Erfahrung. Sie werden dort zum ersten Mal mit strukturellen Machtverhältnissen und globalen Missständen konfrontiert, was für einige sehr überfordernd sein kann.

Im Folgenden findet ihr einen Leitfaden, der sowohl die groben Grundlagen von Awareness-Arbeit behandelt, und auch Ansätze für konkretes Handeln aufzeigt. Was hier steht, ist jedoch nur ein Vorschlag; wir empfehlen euch, selbst Recherchearbeit zu betreiben, Workshops und/oder beratende Stellen aufzusuchen und innerhalb eurer Ortsgruppe auszudiskutieren, inwiefern ihr Awareness-Arbeit umsetzen möchtet. Außerdem ist Awareness-Arbeit situationsbedingt. Schaut, dass ihr im Idealfall für verschiedene Aktionen und Anlässe verschiedene Awareness Konzepte ausarbeitet.

Ansonsten könnt ihr immer auf das Beispiel der OG Köln (oder unseren bald erscheinenden Leitfaden) für Großdemos zurückgreifen (https://docs.google.com/document/d/1087t6mjhrCdjYYwTCUpQC325zKv0jvli8oUO4kqpW8Q/edit) (wird nochmal überprüft)) um euch Ideen zu holen. Auch wir als Awareness AG stehen euch jederzeit gerne für Tipps und Fragen zur Verfügung.

2. Aufgaben der Awareness

2.1 Was sind die Aufgaben der Awareness in der OG?

    • Strukturen analysieren und auf unterdrückende, undemokratische, nicht repräsentative oder hierarchische Machtverhältnisse aufmerksam machen (z.B. Benennung von Strukturen die diskrimierend sind). (Lösungsvorschläge erarbeiten))
    • Auf eine gute und gewaltfreie, beleidigungsfreie und diskrimierungsfreie Kommunikation achten.
    • Darauf achten, dass es allen Menschen gut geht, und dass sich alle wohlfühlen.
      • angenehmere Gestaltung der Orga-Atmosphäre für einen produktiveren und nachhaltigeren Aktivismus.
      • Bewusstsein gegenüber anderen Aktivisti.
    • Ansprechpartner*in sein, wenn jemensch Awareness braucht und sich an einen Awarenesswaschbären mit Problemen oder Sachen wendet, die den Menschen belasten.
      • Beratung (wenn möglich und nötig).
      • Redeangebot/Zuhören /Trost spenden /offenes Ohr
    • Was tun, wenn eine Person Awareness braucht, sich aber nicht an die Awarenesspersonen wendet?
      • Biete Hilfe an, aber erzwinge nichts.
      • behalte die Person im Auge
    • Prävention von Diskriminierung, physischer und psychischer Gewalt, Burnout und Überforderung
      • Im Falle einer konkreten Diskriminierungssituation in irgendeiner Weise intervenieren (in welchem Rahmen das passiert, sollte innerhalb der Ortsgruppe festgelegt werden)
    • Sich konkret für Demonstrationen und Streiksituationen (auch z.B. Klimacamps) eine Awareness-Struktur überlegen und diese umsetzen.
    • Auf einen nachhaltigen Aktivismus und Self-Awareness aller Aktivisti achten (auch Awareness-Team-intern)
    • Bei Mental Health-Problemen zur Stelle sein, erste Hilfe leisten (z.B. bei Panikattacken) und zur Not, weiterleiten (an professionelle Hilfe).
    • Deeskalation und Konfliktlösung;
    • Bereitstellung eines Safespace (Ort der Ruhe) während einer Demo oder Plena (Awareness-Zelt).
    • Eine Liste mit Triggern (etc.) anlegen und darauf achten, dass Trigger vermieden werden (falls nötig und gewünscht).
    • Falls notwendig und mit Absprache, Ausschluss von Personen durchführen (von der Demo, aus dem Plenum oder sogar aus der OG (Orga)).
      • Hierzu festlegen wann und bei welchem verhalten ausgeschlossen wird; wer ausschließen darf (Awareness alleine, AG Sprecher der Awareness, Delis und Awareness, AG Sprecher und Delis, …); wie der Ausschluss durchgeführt wird/ was danach passiert.

2.2 Inklusion und Barrierefreiheit

    • Dafür sorgen, dass Aktivismus für alle Beteiligten inklusiv ist
      • Falls nicht der Fall -> Inklusionsmaßnahmen mit Absprache der betroffenen Person erarbeiten.
    • Kommunikation anpassen und eine entspannte/ sichere Atmosphäre für alle Beteiligten schaffen
    • Innerhalb der Gruppe Awareness für privilegierte Stellung schaffen (ein*e NT, also neurotypische Person, nimmt beispielsweise manche Situationen ganz anders bzw. weniger belastend wahr als ein*e Autist*in oder ein*e AD(H)S-Betroffene*r)
    • Vermittlung und Verständnis für Anderssein schaffen
    • Auf Demonstrationen (das kann unterschiedlich sein und kommt stark auf die Art der Beeinträchtigung an) und auch bei Plena auf Barrierefreiheit achten. (darunter würden auch Rampen (etc.) für Rollstühle zählen)

2.3 Nachhaltiger Aktivismus / Self-Awareness (Selfcare)

2.3.1 Was ist nachhaltiger Aktivismus

Nachhaltiger Aktivismus bedeutet, dass Aktivisti sich nicht überarbeiten oder überstrapazieren, damit langzeitig gut gearbeitet werden kann und Folgen, wie zum Beispiel Burn-Outs oder auch Frustration vermieden werden.

Es geht dabei um Self-Awareness und ein Bewusstsein der eigenen Grenzen zu schaffen. Nachhaltiger Aktivismus bedeutet z.B. ausreichend Schlaf, Ruhepausen (in denen bewusst einmal eine Pause vom Aktivismus eingelegt wird) und an der richtigen Stelle auch Aufgaben abzulehnen oder weiter zu geben, wenn es zu viel wird. Dazu gehört auch ein Plan B, dass es Personen gibt, die einspringen oder unterstützen können, wenn es einer Person zu viel wird oder eine Person Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann (Schule, Krankheit, sonstige Gründe).

Einen kleinen Einstieg und Denkanstoß zum Thema bietet dieser Text: (überprüfen)

http://www.kommunikationskollektiv.org/wp-content/uploads/2016/04/Zine-Nachhaltiger-Aktivismus.pdf

Wie genau nachhaltiger Aktivismus aussieht kann sehr unterschiedlich sein. Das Awareness-Team kann dabei helfen, indem es z.B. eine gute Aufgabenteilung fördert oder Ruhezeiten einführt, wie Nachtruhe, etc. und auch andere Wesen darauf aufmerksam macht, auf sich selbst und ihre Grenzen zu achten. Bei Aktionen bzw. muss darauf geschaut werden, dass auch Orga-Wesen genug essen und trinken, wie auch Pausen und Schlaf haben.

2.3.2 Mental Health

(holt euch auch gerne die Psycologists oder andere erfahrene/ausgebildete Menschen zur Hilfe)

Hierzu eine Liste an möglichen Maßnahmen, um für Mental-Health-Probleme in verschiedenen Formen gut gewappnet zu sein:

    • Sich Awareness-intern über verschiedene Probleme informieren
    • Handlungsmaßnahmen für die einzelnen Probleme ausarbeiten.
    • Betroffenen Menschen zuhören und auf sie eingehen
    • Maßnahme für Soforthilfe (z.B. bei Panikattacken) ausarbeiten
    • Kontakt zu Psycholog*innen herstellen (auf OG- oder Bundesebene)
    • An Hilfsstellen weiterleiten (Nummer gegen Kummer, Telefonseelsorge etc.)
    • Auch hier: vorher im Handlungsspielraum festlegen, was im Rahmen von Awareness getan wird, wie Informationen behandelt werden und ab welchem Punkt professionelle Hilfe eingeschaltet wird.
    • Kontakt zu Sanitäter*innen herstellen
    • In Absprache auf besondere Bedürfnisse eingehen und in Planungsprozessen beachten (SafeSpaces etc.)
    • Vor einem Plenum über Trigger Warnungen reden und festlegen, was Zeichen sind
    • darauf achten, dass bestimmte Themen sensibel behandelt werden
    • (TW         TW Suizied        keine Witze über Suizid etc., das kann triggernd wirken)

3.Struktur zur Gründung eines OG-Awareness-Teams

Bildung einer OG internen Awarenss-AG

Grundlagen

3.1. Bildung eines Awareness-Teams in der Ortsgruppe

Sprecht bei eurem Plenum oder Orga Treffen an, dass ihr gerne eine Awareness-Struktur hättet, und warum diese wichtig ist.

Macht klar, dass in der OG unbedingt auf Awareness geachtet werden und Rücksicht auf Triggern (etc.) genommen werden soll.

Sprecht ausgiebig darüber, was ihr euch von einem Awareness-Team erhofft und ob ihr als OG die Kapazitäten für einen Awareness Team besitzt. Bei sehr kleinen OGs ohne eigenes Awareness-Team ist es dafür umso wichtiger, dass ihr gemeinschaftlich Awareness als wichtiges Thema präsent habt. Dabei können euch folgende Stichpunkte unterstützen:

    • In welchen konkreten Situationen erhofft ihr euch Hilfe und Unterstützung von eurem Awareness Team?
    • Wofür sonst wünscht ihr euch ein Awareness Team? (z.B. als deeskalative Komponente (Streit schlichten) etc.);
    • Besprecht, ob euer Awareness-Team geschlossen oder offen für alle sein sollte (das hängt beispielsweise sehr stark an der Größe und Gruppendynamik einer Gruppe);
    • Welchen Ansprüchen muss ein Awareness Team bei euch gerecht werden, um repräsentativ zu sein (z.B. Repräsentationsquoten in Bezug auf Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Queerness etc.)
    • Welche Möglichkeiten hat das Awareness-Team und wo sind dessen Grenzen? (darf das Team zum Beispiel Menschen aus der Ortsgruppe verweisen?)
    • Wie genau soll euer Awareness Team aufgebaut sein? (wie erreichbar etc.)
      • Welche Person ist Ansprechperson für was (welche Thematik??)
      • Wer ist Ansprechpartner für die ganze AG?
      • Wer vermittelt Awareness-Waschbären oder sind die Kontakte offen?
      • Wann ist diese Person erreichbar?
      • Soll es Notfallkontakte geben?
      • Was macht das Awareness-Team genau/in besonderen Situationen?
    • Welche Instanz zur Regulation des Awareness-Teams gibt es?
      • Wer schaut, dass die Awareness ihre Arbeit richtig macht, und wer ist der*die Ansprechpartner*in wenn Mensch sich bei der Awareness Person oder auch in der Awareness-AG unwohl fühlt.
    • Wo und in welchem Rahmen soll euer Awareness-Team arbeiten? (In Plena, auf Demos etc.)
    • Informiert euch, welche lokalen Anlaufstellen es gibt und an wen man sich bei euch in der Umgebung wenden kann.
    • Welche Sanktionen sollen bei Grenzüberschreitungen folgen?
    • Brauchen wir eine Trigger-Liste? -> falls ja dann anlegen
      • Möglichkeit schaffen, ohne, dass es jemensch mitbekommt (anonym), Trigger ein zu tragen.
      • Ggf. Ansprechpartner für (Trigger-) Liste festlegen.
    • Wann und unter welchen Umständen, kann ein OG Ausschluss stattfinden?

Besprecht Details, damit ihr einen klaren Konsens findet und haltet sie fest, dass man auch im Nachhinein darauf zugreifen kann. Legt dabei einen genauen Handlungsspielraum fest, durch den die Awareness-AG / Awareness-Team befähigt ist, zu arbeiten und der konkret aufzeigt, mit welchen Awareness-Maßnahmen die gesamte Gruppe einverstanden ist.

Achtet darauf, dass es sein kann, dass Personen Wünsche oder Vorschläge, gerade zu Dingen, die ihnen auf den Herzen liegen, nicht öffentlich unter ihrem Namen sagen wollen. Deswegen sollte es die Möglichkeit geben, anonym Vorschläge, Wünsche oder Kritik zu äußern.

Was immer euch zur Gründung des Awareness-Teams auf der Seele liegt, sollte sofort angesprochen werden, Bedenken geäußert und alle Beteiligten gehört werden.

Wählt eine Gruppe von Menschen aus, die das Awareness Team bildet. Ein Awareness Team sollte aus mindestens zwei Personen bestehen. Dies sollten Menschen sein, die für die Ortsgruppe repräsentativ sind, also alle Untergruppen innerhalb der Ortsgruppe abdecken. Es sollte also für jeden Menschen in der Ortsgruppe Menschen geben, an die der/die Betroffene sich ohne Probleme wenden kann. Achtet dabei auf Diversität.

Diese Gruppe sollte sich untereinander weiterhin absprechen, und sich tiefergehend mit Awareness beschäftigen (ggf. auch an der Awareness-Schulung teilgenommen haben?!?!).

4. Passives vs. aktives Awareness-Konzept

Findet einen Lösung in eurer OG, wie ihr Awareness-Arbeit auf euren Veranstaltungen umsetzen wollt!

– Passiv: zeigt eure Awareness-Menschen klar erkenntlich. Kündigt auch an, dass es ein Awareness-Team gibt (falls ihr bei der Aktion eins habt). Wartet bis Menschen auf euch zukommen, geht nicht aktiv auf diese zu; fragt euch, wenn betroffene Person, eine Konfrontation ablehnt: Person, der Fehlverhalten nachgewiesen wurde, verweisen? (evtl. abhängig von Art der Grenzüberschreitung?)

– Aktiv: beobachtet neben der passiven Awareness-Arbeit auch aktiv die Teilnehmenden und sprecht diese an, falls ihr eine Situation seht, die wahrscheinlich grenzüberschreitend ist; das

Ansprechen/Eingreifen kann jedoch ebenfalls grenzüberschreitend sein!

5. Awareness-Leitfaden

5.1 Euer Verhalten als Awarenesswaschbären in Konflikten

5.1.1 Parteilichkeit 

Ergreift bei Grenzüberschreitungen immer Partei für die betroffene Person und hinterfragt deren Perspektive nicht!

Wieso? Awareness ist aus der Idee entsprungen, einen Gegenpol zu staatlichen Strukturen im Umgang mit Grenzüberschreitungen zu finden, bei welchen die betroffene Person häufig der Beweispflicht obliegt.

Achtet darauf in welchem Kontext /Zusammenhang die Grenzüberschreitung geschieht und wie ihr davon Kenntnis erlangt: Seht ihr diese oder wird euch diese erzählt? (Verleumdung von Personen ist leider möglich).

Redet auf jeden Fall mit beiden Parteien und verschafft euch einen Überblick. Beide sollen die Möglichkeit haben, sich zu erklären, auch um Missverständnisse oder nicht böse gemeintes Verhalten aufzudecken.

5.2 Umgang mit den Personen, denen Fehlverhalten nachgewiesen wurde

Awareness soll auch bei den Personen, denen Fehlverhalten nachgewiesen wurde einen Gegenpol / Ergänzung zu staatlichen Strukturen bilden. Das Ziel von Awareness-Arbeit ist es auch, durch Selbstreflexion und Weiterentwicklungsprozesse eine Einsicht (weshalb das Verhalten grenzüberschreitend war) und eine nachhaltige Veränderung zu bewirken.

Wieso? Hinter Grenzüberschreitungen stecken tiefere, strukturelle gesellschaftliche Probleme, welche nicht durch Isolation (Gefängnis, etc.) gelöst werden können; aufgrund von polizeilichen und staatlichen Repressionen hat nicht jede*r einen Vorteil beim Staat – Awareness soll einen anderen Ansatzpunkt bieten.

5.3 Vorgehen in konkreten Situationen

    • (bei Konflikten)
    • hört der betroffenen Person aktiv zu, bohrt nicht herum oder hakt nach (lasst sie freiwillig erzählen, zwingt sie zu nichts)!
    • Versucht die Situation (falls notwendig) zu deeskalieren.
    • Versucht heraus zu finden, was passiert ist.
    • KEINEN KÖRPERKONTAKT INITIIEREN! [kann triggern; grenzüberschreitend]
    • trefft gemeinsame Entscheidungen mit der betroffenen Person, was im Anschluss geschehen soll, z.B.: Konfrontation mit Täterperson, Rückzug/Verlassen der Situation, Rauswurf der Täterperson, Einschalten der Polizei (aber: Fragt euch: Ist es cool für die Person, die hierdurch angezeigt werden könnte, die Polizei einzuschalten? Bringt das überhaupt etwas, ist es überhaupt notwendig / zielführend oder wird die Person nur isoliert? – Findet einen Konsens (Empfehlung: Nach Möglichkeit in keiner Situation Polizei/Staat einschalten) usw.); trefft niemals eigenmächtig Entscheidungen! (Balanceakt: Wenn Verhalten der Täterperson gar nicht klar geht (auch ohne den Wunsch der betroffenen Person) in Absprache der dafür zuständigen Ansprechpersonen (Awareness-Team; Veranstalter*in, Leiter*in einer Versammlung) trotzdem wegschicken/ausschließen?)
    • Hinterfrage Erzählungen (zunächst) nicht.
    • Habe kein Misstrauen und vordere niemals einen Beweis.
      • Achtet darauf in welchem Kontext /Zusammenhang die Grenzüberschreitung geschieht und wie ihr davon Kenntnis erlangt: Seht ihr diese oder wird es euch erzählt? (Verleumdung von Personen ist leider möglich).
      • Redet auf jeden Fall mit beiden Parteien und verschafft euch einen Überblick. Beide sollen die Möglichkeit haben, sich zu erklären, auch um Missverständnisse oder nicht böse gemeintes Verhalten aufzudecken.
    • Versuche die betroffene Person an einen ruhigen Ort zu bringen und sie zu beruhigen falls notwendig.
    • Was traut ihr euch zu, was nicht? Awareness-Menschen sollen nicht in Drucksituationen geraten, nicht jede*r muss alles machen; arbeitet im Team und sprecht euch ab.

Awarenesswaschbären sollten auch die Möglichkeit haben sich aus (überfordernden) Situationen zurück zu ziehen ohne den Betroffenen im Stich zu lassen!

Was könnt ihr in einer solchen Situation tun?

      • An andere Awarenesswaschbären weitergeben
      • Auf andere Hilfsangebote (Telefonseelsorge, Psychologists etc.) aufmerksam machen, ggf. für Kontaktweitergabe sorgen.
      • Wenn du überfordert bist, sei ehrlich zu der Person. Es hilft nicht, und schadet möglicherweise nur, wenn du aufgrund von Überforderung Fehler machst. Sei aber nicht abweisend zu der Person, sondern helfe ihr, Kontakte zu anderen Awarenesswaschbären oder externe Hilfe zu finden.

5.4 Wie verhalte ich mich bei Personen, die sich an mich wenden?

(Menschen mit Problemen außerhalb von Konflikten)

[Leitfaden hierzu wird noch ergänzt, sobald die Awareness-Schulungen stattfinden.]
    • Höre der betroffenen Person aktiv zu, bohrt nicht herum oder hake nach (lasst sie freiwillig erzählen, zwingt sie zu nichts)!
    • Versucht Ruhe auszustrahlen.
    • Sei empathisch und selbstbewusst aber einfühlsam.
    • Versuche vorsichtig die Gründe für die Kontaktaufnahme heraus zu finden.
    • sichere Verschwiegenheit zu.
    • (Versucht vorsichtig ab zu lenken, wenn der Mensch nicht wirklich darüber reden will.)
      • Sage dem Menschen, er soll an etwas Schönes denken (frage nach schönen Erinnerungen und Erlebnissen, die Mensch sich vor Augen führen kann/soll).
      • ggf. Musik, süße Hunde (haben beruhigende Wirkung), Bücher, etc. (Sachen die beruhigen).

5.5 Wie verhalte ich mich, wenn ein Mensch eine Panikattacke hat / was kann ich machen?

Versuche mit der Person zu reden, oder zu telefonieren, aber dränge sie nicht dazu und achte auf Freiwilligkeit.

    • Versuche den Menschen vorsichtig zu beruhigen.
      • Atemtechnik: 4-7-8 (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen) kann am Anfang auch etwas variiert werden.
      • die Betroffene Person nach 5 Dingen die du siehst, 4 Dinge die du hörst, 3 dinge die du fühlst, 2 dinge die du riechst und 1 Ding was du schmeckst fragen.
      • mit der Betroffenen Person Rechenaufgaben machen (leicht) und/oder rückwärts zählen lassen. Bsp. Von einer Zahl immer 7 runter rechnen lassen. Also 1000-7=993, 993-7=986 usw…
    • Erkundige dich bei der Person, ob sie sowas öfter hat und ob sie Techniken hat um da raus zu kommen
    • Versuche die Gründe heraus zu finden ohne zu bohren (akzeptiere ein „nein“ und mach klar, dass ein „Nein“ okay ist).
    • Vorsichtig umgehen mit Fragen, in denen es um den Auslöser der Panik geht, da diese wieder Panik verursachen können
    • Die Person aus der Situation rausbringen, die Panik verursacht (Beispiel: Auf einer engen Demo, die betroffene Person aus der Menge bringen)
    • Rede ruhig auf den Menschen ein (schlage einen weichen, sanften und beruhigenden Ton an).
      • Rede beruhigend und vermeide Hektik.
    • Sage dem Menschen, er soll an etwas Schönes denken (frage nach schönen Erinnerungen und Erlebnissen, die Mensch sich vor Augen führen kann/soll).
    • Versuche die Aufmerksamkeit auf die Atmung zu lenken und hilf der Person die Atemtechnik an zu wenden (mitmachen/mitzählen).
      • Hilf der Person die Atmung auf das gewünschte/angenehme Tempo zu verlangsamen.
    • Sag der Person, dass sie nicht alleine ist und das alles gut wird (in dem Fall sollte man das sagen, auch wenn es sich doof anhört).
    • Versuche Ruhe auszustrahlen.
    • Sei empathisch und selbstbewusst.
    • Bitte die Person sich bequem hin zu setzen und bei Schwindel (durch Hyperventilation) die Beine hoch zu legen.

Wenn es zur Hyperventilation (extrem schnelles Atmen) kommt soweit möglich eine*n Sanitäter*in dazu rufen falls vor Ort (z.B. Demo) oder ansonsten, wenn es dem Patienten körperlich schlecht geht bei der Leitstelle (RTW) anrufen und die Anweisungen am Telefon befolgen bis der Rettungswagen eintrifft.

6. Wichtige Nummern und Kontakte die ihr haben solltet:

Informiert euch, welche lokalen Anlaufstellen es gibt und an wen man sich bei euch in der Umgebung wenden kann.

6.1 Polizei:

Im Notfall nach Möglichkeit sofort reagieren und die Polizei alarmieren (110 wählen).

6.2 Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen:

Soforthilfe für Frauen die von Gewalt betroffen sind.

Beratung per Telefon (08000 116 016) (rund um die Uhr, anonym, in 17 Sprachen und Gebärdensprache).

6.3 Nummer gegen Kummer:

Falls ihr Probleme habt (auch bei sexuellen Übergriffen etc.) und nicht wisst, bei wem ihr euch melden könnt, dann ist „Nummer gegen Kummer“ eine gute Anlaufstelle.

Telefon: 116 111

6.4 Hilfetelefon sexueller Missbrauch:

0800-22 55 530 (kostenfrei und anonym)

6.5 Beratung und telefonische Anlaufstelle:

0800-30 50 750 (kostenfrei und anonym)

Hilfe für Betroffene von sexueller Gewalt in der Kindheit, ihre Angehörigen und andere Menschen, die sie unterstützen wollen.

6.6 Weisser Ring: Hilfe für Kriminalitätsopfer:

Beratung per Telefon (116 006) und E-Mail (anonym).

6.7 Elterntelefon:

Müttern, Vätern oder Großeltern und anderen Erziehenden, steht mit dem Elterntelefon (0800 – 111 0 550) ebenfalls ein qualifiziertes Beratungsangebot zur Verfügung.

6.8 In Österreich:

In Österreich können sich Menschen beispielsweise an die frauenhelpline.at gegen Gewalt wenden oder dort unter (0800 222 555) anrufen.

6.9 In der Schweiz:

In der Schweiz bietet die Seite 143.ch anonyme Beratung und Unterstützung in Krisensituationen an (auch unter der Rufnummer (143) erreichbar).

Ebenfalls zu empfehlen ist opferhilfe-schweiz.ch als Anlaufstelle, etwa bei häuslicher Gewalt, Bedrohung, Vergewaltigung oder Stalking, anonym und kostenlos via Telefon, Mail und Chat.

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Leitfaden der ehemaligen bundesweiten Awareness AG.